Essattacken (Binge-Eating)

Menschen, die unter Essattacken leiden, verzehren zeitweise während einer einzigen Mahlzeit sehr viele Lebensmittel. Die Betroffenen haben dabei das Gefühl, nicht mehr kontrollieren zu können, wie viel Nahrung sie zu sich nehmen.

Definition der Binge-Eating-Störung

Auch wenn kein Hungergefühl vorhanden ist, werden viele Nahrungsmittel gegessen. Dabei spielt es kaum eine Rolle, welche Lebensmittel verzehrt werden. Besonders beliebt sind allerdings oft sehr süße und fetthaltige Nahrungsmittel, die viele Kalorien enthalten. Dabei passiert es häufig, dass die während einer Essattacke aufgenommenen Kalorien den Tagesbedarf der betroffenen Person übersteigen. Kennzeichnend für diese Essstörung ist es, dass viele Nahrungsmittel verzehrt werden, wenn keine anderen Menschen anwesend sind. In Gesellschaft zeigen Betroffene oft ein unauffälliges Essverhalten. Später treten häufig Schuldgefühle auf. Auch ein unangenehmes Völlegefühl kann die Folge der unkontrollierten Nahrungsaufnahme sein. Die betroffenen Menschen sind dann eher niedergeschlagen. Im Gegensatz zur Bulimie wird nicht versucht, das Essverhalten zu kompensieren, indem beispielsweise das Erbrechen herbeigeführt wird. Auch Entwässerungs- oder Abführmittel werden nicht verwendet. Dadurch nehmen Betroffene oft stark zu. Bei Essattacken, die während des Zeitraums von drei Monaten mindestens einmal pro Woche stattfinden, kann die Diagnose einer Binge-Eating-Störung gestellt werden. Frauen leiden häufiger unter dieser Essstörung als Männer.

Die Ursachen von Essattacken

Die Ursachen der Binge-Eating-Störung konnten bisher noch nicht eindeutig festgestellt werden. Sie wurde über einen langen Zeitraum hinweg nicht als eigenständiges Krankheitsbild angesehen. Daher existieren nur wenige Studien, die sich mit dieser Erkrankung befassen. Rund 50 Prozent der Menschen, die unter Essattacken leiden, waren jedoch im Verlauf ihres Lebens schon von einer Depression betroffen. Ob die Depression eine Ursache von Essattacken sein kann, wurde aber noch nicht geklärt. Es wäre auch möglich, dass die Depression als Folge der Essstörung auftritt. Vielleicht gibt es aber überhaupt keinen Zusammenhang zwischen den beiden Erkrankungen.

Betroffene berichten allerdings häufig davon, dass Gefühle wie Traurigkeit, Langeweile oder Angst zu Essattacken führen können. Auch innere Leere kann ein Grund dafür sein, dass ein Mensch sehr viel Nahrung verzehrt. Es wird auch diskutiert, ob vorausgegangene Diäten als Auslöser dieser Essstörung in Frage kommen.

Rund 50 Prozent der Menschen, die unter Essattacken leiden, richten ihr Augenmerk aber erst auf Diäten, wenn sie schon von der Essstörung betroffen sind. Ärzte vermuten, dass es verschiedene Ursachen für die Binge-Eating-Störung gibt. Dazu zählt Übergewicht, das schon in der Kindheit auftrat.

Auch Diäten, die Gewichtsschwankungen nach sich zogen, werden als mögliche Ursache für das Auftreten einer Binge-Eating-Störung in Betracht gezogen. Belastende Ereignisse im Leben eines Menschen können vermutlich ebenfalls im Zusammenhang mit den Essattacken stehen, weil sie bei manchen Betroffenen zu einem negativen Selbstbild führen. Da diese Essstörung in manchen Familien vermehrt auftritt, wird auch das Vorhandensein einer genetischen Veranlagung diskutiert.

Die Symptome einer Binge-Eating-Störung

Verschiedene Symptome weisen darauf hin, dass es sich um Binge Eating handelt. Unkontrolliertes Verzehren vieler Nahrungsmittel, das sich in regelmäßigen Abständen wiederholt, ist ein Kennzeichen der Essattacken. Auch das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren, gehört zu den Symptomen der Binge-Eating-Störung. Außerdem gibt es einige Verhaltensweisen, die im Zusammenhang mit dieser Erkrankung häufig auftreten. Dazu zählen das schnelle, hastige Essen und der Verzehr von vielen Lebensmitteln, obwohl kein Hungergefühl vorhanden ist. Während der Essattacken sind meistens keine anderen Menschen anwesend. Die Betroffenen können auch Schuldgefühle entwickeln. Menschen, die unter der Binge-Eating-Störung leiden, haben nur selten das Bedürfnis, sich zu bewegen, um beispielsweise Sport zu treiben. Der Mangel an Bewegung kann unter anderem dazu führen, dass es zu starken Gewichtszunahmen kommt.

Die Diagnose von Essattacken

Damit eine Binge-Eating-Störung festgestellt werden kann, ist das Vorhandensein verschiedener Diagnosekriterien erforderlich. Dazu gehört, dass die Essattacken während eines Zeitraums von sechs Monaten mindestens zweimal wöchentlich auftreten müssen. Kennzeichnend für die Binge-Eating-Störung ist es außerdem, dass Menschen, die von den Essattacken betroffen sind, keine Versuche unternehmen, die Gewichtszunahme zu verhindern. Dadurch unterscheidet sich diese Essstörung von der Bulimie.

Die Therapie der Binge-Eating-Störung

Es gibt unterschiedliche Behandlungsansätze. Dazu zählen die Kognitive Verhaltenstherapie und die Interpersonelle Therapie. Diesen beiden Behandlungsansätzen bescheinigen Studien, dass sie zu einem Rückgang der Essattacken führen können.

Die Kognitive Verhaltenstherapie wendet unterschiedliche Techniken an. Dazu gehört die Beobachtung des eigenen Essverhaltens. Auch die Gefühle, die mit dem Essen verbunden sind, finden hier Beachtung. Der nächste Schritt besteht im Suchen nach anderen Verhaltensmöglichkeiten. Das Training der eigenen Selbstsicherheit ist ebenfalls ein Bestandteil dieses Therapieansatzes. Die von einer Essstörung betroffenen Menschen sollen außerdem lernen, wie sie auftretende Probleme lösen können. Ein weiterer Schritt besteht in der kognitiven Umstrukturierung. Im Rahmen der Kognitiven Therapie können Betroffene daran arbeiten, ein Essverhalten zu entwickeln, das ihnen gut tut. Sie sollen in die Lage versetzt werden, ihre Nahrungsaufnahme wieder kontrollieren zu können. Auch ein Essrhythmus gehört zu den Themen der Therapie. Schwierige Lebenssituationen finden im Rahmen dieser Behandlungsmethode ebenfalls Beachtung. Die Betroffenen sollen lernen, mit ihnen zurechtzukommen, ohne mit einer Essattacke reagieren zu müssen.

Bei der Interpersonellen Therapie handelt es sich um ein Kurzzeitverfahren. Es basiert auf der Annahme, dass Kommunikationsstörungen zu psychischen Problemen führen können. Die Patienten sollen in die Lage versetzt werden, mit Konflikten, die im Kontakt mit anderen Menschen auftreten, angemessen umzugehen. Zu den Techniken dieser Therapierichtung zählen daher beispielsweise Rollenspiele. Die Interpersonelle Therapie richtet ihr Augenmerk auf die Beziehungen der betroffenen Menschen. Das Essverhalten steht hier nicht im Mittelpunkt der Betrachtung. Eine tiefgreifende Veränderung der Persönlichkeit der behandelten Patienten wird nicht angestrebt.

Auch die Einnahme von Antidepressiva kann dazu führen, dass die Essattacken seltener auftreten. Medikamente sollten jedoch nicht das einzige Mittel sein, um eine Essstörung zu behandeln, sondern können eventuell begleitend während einer Therapie eingenommen werden.

Möglichkeiten zur Vorbeugung

Leider sind vorbeugende Maßnahmen im Zusammenhang mit dieser Essstörung nur bedingt möglich. Ein gesundes Selbstwertgefühl ist aber eine gute Voraussetzung dafür, dass keine Essattacken auftreten. Menschen, die ihren eigenen Körper akzeptieren, sind weniger anfällig für die Binge-Eating-Störung. Auch eine vollwertige Ernährung, die in regelmäßigen Abständen eingenommen wird, kann dazu beitragen, dass keine Nahrungsmittel unkontrolliert verzehrt werden. Angehörige oder Freunde eines betroffenen Menschen sollten das Gespräch suchen, um die unter der Essstörung leidende Person davon zu überzeugen, dass eine Beratung nötig ist. Wird die Binge-Eating-Störung früh behandelt, kann das positive Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Erkrankung haben.